Die knapp zwei Wochen alte Daisy und ihre Mutter Dori gehören zu einer alten heimischen Nutztierrasse, die ähnlich selten und bedroht ist wie manche Wildtierart. Foto: Wilhelma
Einen Tag vor dem Valentinstag, am 13. Februar, kam sie zur Welt: Daisy. Sie ist ein weibliches, weiß-braun geflecktes Hinterwälderkalb und Vertreterin einer alten, bedrohten Rinderrasse aus dem Südschwarzwald.
Dass diese nicht ausstirbt, dazu trägt auch die kleine Mutterkuhherde der Wilhelma mit mehreren Kälbchen pro Jahr bei. Sechs Kühe namens Dori, Dharma, Dahomé, Frieda, Tine und Wolke sorgen derzeit auf dem Schaubauernhof dafür, dass bei den seltenen Hinterwälderrindern der Nachschub an Kälbchen nicht abreißt.
Vier wurden seit Ende September geboren, darunter als jüngste im Bund die kleine Daisy, und ein weiteres Kalb müsste jeden Tag kommen. Und der Vater? Der ist in der Wilhelma bei der Zeugung nur in Form von tiefgefrorenem Samen zugegen, welcher vom Tierarzt verabreicht wird – was diesem den scherzhaften Titel "Rucksackbulle" bescherte.
Da es im Hinterwälderbestand nur circa 50 Zuchtbullen gibt, werden rund 15 Prozent der etwa 2200 Kühe eben künstlich besamt. Das Ergebnis ist dasselbe: hübsche, weiß-braune Kälbchen, die dazu beitragen, dass die kleinste mitteleuropäische Rinderrasse eine Zukunft hat. Eine Rasse, über welche die "Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH)" nur Gutes zu berichten weiß: robust und genügsam sei sie, besonders fruchtbar, langlebig und sehr weidetüchtig.
Entwickelt hat das Hinterwälderrind diese guten Eigenschaften in einem kleinen Gebiet im Südschwarzwald über viele Jahrhunderte hinweg und sich dabei – neben dem im gesamten Schwarzwald verbreiteten Vorderwälderrind – zur eigenständigen Rasse gemausert. Denn aufgrund seines geringen Gewichts und der festen, trittsicheren Klauen kam es als einziges Rind selbst mit steilsten Hängen und als genügsames Wesen auch mit magersten Bergweiden zurecht.
Wie viele andere alte Spezialisten unter den Nutztieren wurde aber leider auch das Hinterwälderrind schließlich von neuen Hochleistungsrassen verdrängt und fand sich auf der Roten Liste gefährdeter Arten wieder. Dank Liebhabern und Züchtern gibt es heute wieder einen kleinen, aber stabilen Bestand von etwa 4000 Tieren, und auch auf dem Schaubauernhof ist ihre Erhaltungszucht seit 1992 Programm – neben der weiterer bedrohter Schicksalsgenossen wie Limpurger Rind, Schwäbisch-Hällisches Schwein oder Poitouesel.
Um die Zucht der kleinen Rinder aus dem Schwarzwald kümmert sich heute insbesondere der Hinterwälderzuchtverein e.V. Und wie alle waschechten Hinterwälderrinder trägt auch Daisy bereits einen "Personalausweis": schicke gelbe Ohrmarken. Die nächsten sechs Monate wird sie bei Mutter Dori bleiben, dann jedoch auf einen anderen Bauernhof umziehen – wo sie später als Milchkuh oder als Fleischlieferantin die Qualitäten dieser alten Rinderrasse unter Beweis stellen wird.